Physik in Buryatien

Am Montag wache ich gegen 7 auf und schaffe es noch eben zu duschen, meine Tasche zu packen und da ist es auch schon 7:37. Ich bringe es noch zustande einen Jogurt - samt Löffel - einzupacken und sprinte aus der Tür. Ich schaue in meinen Geldbeutel, aus dem mir 10 klägliche Rubel zu sagen scheinen: Du hast ein Problem. Die Fahrt mit Bahn oder Bus kostet nämlich leider 15 Rubel. Gezwungenermaßen muss ich also wieder einmal einen Marathon, der unschöneren Art, antreten. Dejavu: Das habe ich doch schon mal machen müssen! Immerhin schaffe ich es so in Rekordverdächtigen 12 Minuten die Strecke zwischen Wohnung und Sovietplatz zu durchmessen. Angekommen stelle ich fest, dass Ira noch gar nicht da ist. Da ich selbst auch ein Freund der “african time” bin, ärgere ich mich nicht, sondern freue mich eher, dass ich nun doch noch frühstücken kann. Zwar nur einen, im Geschmack durchschnittlichen, Jogurt - aber besser als nichts.

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Unspektakulärer Sonntag

Der Sonntag verläuft eher unspektakulär. Ich und mein Vater treffen uns mit dessen Studienfreundin Bettina. Auf dem - normalerweise 10 Busminuten beanspruchenden - Weg unterläuft uns ein Lapsus, der die Fahrzeit auf über eine Stunde verlängert, um es einmal im “Deutsche Bahn”-Euphemismus zu formulieren. Die “Marschutka” steuert zwar - wie gewünscht - den Sovietplatz an, bloß steigen wir, in Ermangelung von Ortskunde, auf der falschen Seite zu. So gibt es eine längere, unerbetene Stadtrundfahrt für immerhin in ökonomischer Hinsicht akzeptable 15 Rubel. Den Rest des Tages schreibe ich in der Wohnung an meinem Reisetagebuch, wobei ich mir meine bescheidene iTunesbibliothek mehrere Male durchhöre. Außerdem verabrede ich mit Anaida, dass Ira am Montag mit mir eine Physik-“Lektsia” besuchen wird. Leider um 8 in der Frühe. Wir vereinbaren ein Treffen um 7:50 am Fremdprachfakultätsgebäude beim Sovietplatz.

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Scharlatanerie im heiligen buddhistischen Datsan

Nachdem ich mich unter der Aufbringung schier übermenschlichen Kräfte um 2 Uhr fast pünktlich zum Sovietplatz begebe, finde ich Nastya mit einer Studienfreundin und dem Au-Pair Nora vor. Da ich schon beim kleinen tibetischen Datsan war, beschließt Nastya, dass wir zum größten russischen Datsan fahren, dem Datsan bei Iwolginsk. Sogar der Dalai Lama persönlich war schon einmal in diesem Datsan. Die Fahrt mit der “Marschutka” dauert knapp 40 Minuten. Wieder einmal mehr legt der Fahrer einen Fahrstil an den Tag, der einen Glauben macht, man befände sich nicht in einem Kleinbus älteren Semesters, sondern in einem fabrikfrischen Porsche Cayenne. Angekommen staunte ich nicht schlecht: Selbst im tiefsten Sibirien in einem buryatischen, buddhistischen Kloster, hatte sich der Kapitalismus Bahn gebrochen: Gleich am Eingang wurden die Besucher von einer kleinen Armada an Verkaufsständen in Empfang genommen, die von billigstem Tand bis hin zu passablen Handschuhen alles anboten. Es folgte ein Gang über den vorgegebenen Rundweg auf dem man allerhand Gebetsmühlen passiert, an welchen man Kleingeld in eine Dose wirft, um die Gebetsmühle anschließend, je nach Glaubensfestigkeit, unterschiedlich enthusiastisch zu drehen.

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Baikalsee

Die 2-tägige Fahrt zum Baikalsee am Donnerstag ist eher umspektakulär, auch der Aufenthalt selbst. Nach der Ankunft geht es gleich zum Mittagessen. Die Speisen sind opulent und fischzentriert. Nachdem die Gruppe sich daran gütlich tat ging es zum, das mausgrau des wolkenverhangen Himmels widerspiegelden, Baikalsee. 

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“health day” und ein echter betrunkener Russe

Der nächste Tag nahm sich da schon viel entspannter aus. Der “health day” stand auf dem Programm der Universität und es gab deshalb auch keinen Unterricht. Stattdessen gab es im Stadion der Universität einen Tag lang Sportwettkämpfe und eine große Eröffnungsshow. Ich war mit Yana dort und stellte erstaunt fest, dass inmitten der Menge eine Traube von circa 8 Chinesinnen stand, die sich auf Chinesisch unterhielten. In Sibirien. Na ja, so ist die globalisierte Welt.

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Harvard Professor und Todesangst im sovietischen Vergnügungspark

Heute darf ich an die Uni und eine Vorlesung von einem Harvard Professor besuchen, der als Gastdozent eine Vorlesung über die Arktis und die Antarktis hält. Am Morgen treffe ich Ira und sie führt mich durch die Uni und erklärt mir die verschiedenen Fakultäten. Die Uni ist nicht mit einer deutschen Universität vergleichbar: Die Wände und Fußböden sind schief und überhaupt hat das Gebäude seine besten Tage schon hinter sich. Im Treppenhaus treffen wir zufällig Sascha, der ebenso spontan beschließt seinen Deutschunterricht zu schwänzen. Gegen 9 stößt noch Anaida zur Gruppe hinzu und wir gehen in die Uni-Mensa, die erstaunlich klein ist, aber dafür hervorragendes Essen zubereitet. Mir fällt auf, dass das Besteck aus Aluminium statt aus Edelstahl ist.

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Diese nette “babuschka” hat mich als “mein Sohn” und mich gleich darauf als dumm bezeichnet

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