1. Mai in Kreuzberg

Alles nahm, wenn man denn so will, 1886 seinen Anfang, als sich in Teilen Nordamerikas der zuvor von der Arbeitbewegung ausgerufene Generalstreik zur Durchsetzung des 8-Stunden-Tags vollzog. In Chicago trug es sich zu, dass damals schon, wie auch heute bisweilen, eine Massenversammlung außer Kontrolle geriet. Nur nicht am 1. Mai, sondern am 3. Mai nach einem mehrtägigen Streik. Am nächsten Tag eskalierte eine weitere Kundgebung und in der Folge kam es zu Toten aufseiten der Polizei und der Demonstranten. Die Justiz klagte die acht Organisatoren der Kundgebung an, unter anderem den Chefredakteur und Herausgeber des “Arbeiter-Magazins”  August Spies. Vier von ihnen, auch Spies, wurden zum Tod durch den Strick verurteilt. Vor seinem Tod am Galgen rief Spies “The day will come when our silence will be more powerful than the voices you strangle today.” Und in gewisser Weise sollte er Recht behalten, Texas ausgenommen. Sein Urteil und das der weiteren Mitangeklagten wurde schließlich auch 1893 vom Gouverneur von Illinois annuliert. Zu ihrer Gedenken wurde 1889, im Rahmen der Neugründung der Internationalen nach Marx'schem Vorbild, der 1. Mai zum “Kampftag der Arbeiterbewegung” erklärt und als solcher zum ersten Mal 1890 begangen (Wikipedia berichtete).

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Ramallah: Harvard der Westbank, Arafat-Grab und ein arabischer Rapper

Nach dem Tag in Bethlehem und in Hebron, geht es nun von Jerusalem aus weiter nach Ramallah, der de facto Hauptstadt der palästinensischen Autonomiegebiete. Ich bin gespannt, wie es dort genau sein wird. Denn Ramallah soll das kulturelle und intellektuelle Zentrum der Westbank sein. Wir nehmen einen Bus der arabischen Buslinie “Egged”, die auch am Freitag fährt. Ja, in der Tat ist es so, dass es einen Unterschied macht, ob man mit einer “jüdischen oder arabischen Buslinie” fährt. Allein diese Rubriken erscheinen mir im Bezug auf Unternehmen so absurd, dass ich sie vorsichtshalber in Anführungszeichen gesetzt habe. Die Fahrt kostet grade einmal zwei Euro und dauert etwa eine Stunde. Wie schon zuvor stelle ich fest, dass die Grenzüberquerung in die Westbank erstaunlich einfach und ohne jegliches Hindernis möglich ist.

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Wie eine ältere Dame in Jerusalem für Irritationen sorgte

Eine kleine Anekdote darf hier nicht unterschlagen werden: Es begab sich, dass Pascal und ich wieder zurück in Jerusalem waren. Es war Freitag. Am nächsten Tag war Shabbat, weswegen die Straßen wie ausgestorben waren. Nur orthodoxe Juden auf dem Weg aus der Synagoge und Araber waren zu dieser Zeit auf den Straßen unterwegs, weil die meisten grade dem Shabat-Dinner frönten. Das Stichwort hierzu lautet lukullische Genüsse.

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Hebron, die Siedler - Konflikt konkret

Nachdem uns Hamid schon mehrere Stunden herum führte nahmen wir nun auch physisch Abstand zu ihm. Er ging zum Beten in die Moschee und Pascal und ich erkundeten die Siedlungsgebiete. Als wir an den Grenzposten vorbeigehen, fragen diese bloß, woher wir den kämen. Als Pascal floskelhaft fragt, was sie denn hier täten, antworten diese lakonisch: “We are here to protect you!”. Keine Passkontrolle. Keine Befragung. Unsere Hautfarbe under Gesichtsphysiognomie sind unser Passierschein. Es ist komisch, so ziemlich alle Palästinenser, mit denen ich zuvor gesprochen habe, wären hier nicht durchgekommen. Ich bin mir nicht ganz sicher wie ich dieses Privileg genau bewerten kann. Die Soldaten sind nett und sind wie alle anderen auch Wehrdienstleistende vielleicht höchstens 19-jährige Jugendliche, die mit einer 40cm langen Maschinenpistole in voller Schutzmontur die Einfahrt zum Siedlungsgebiet bewachen.

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Hebron, die Palästinenser - Konflikt konkret

Am nächsten Tag fahren wir mit einem Mehrpersonentaxi nach Hebron, da aufgrund des muslimischen Ruhetags am Freitag keine Busse verkehren.

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Es ist schon eine bizarre Koinzidenz, dass die Muslime Freitag ruhen, die Juden am Samstag und die Christen am Sonntag. Würde man alle Seiten gleichberechtigt behandeln, so müsste man 3 Feiertage pro Woche postulieren. Sicher nicht zuträglich für die Produktivität, aber ein Gedanke mit dem ich mich anfreunden könnte. Aber ich schweife ab. Wir fahren also nach Hebron und Hamid begleitet uns freundlicherweise. Er weißt uns auf verschiedene Besonderheiten entlang der Fahrtroute hin. So erblickte ich in der Ferne zum ersten Mal in meinem Leben eine der illegalen israelischen Siedlungen in der Westbank. Doch ich sollte ihnen im Laufe des Tages näher kommen, als ich es jemals für möglich hielt. Die Straßen sind von Wachtürmen aus unter Beobachtung. Hier auf dem Land sind diese zusätzlich mit Betonhindernissen und Stacheldrähten abgesichert, da die Landbevölkerung eher zu Aufständen neigt, als die Stadtbevölkerung. Noch bemerkenswerter finde ich hingegen, dass die Straße, die wir befahren, sowohl von Israelis als auch von Palästinensern befahren wird. Hier kommt man also immerhin miteinander aus.

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Palästina bzw. völkerrechtlich korrekter: Westbank - die andere Seite

Nach zwei Nächten in einem Hostel in Jerusalem, weil die Hosts von Couchsurfing leider absagen mussten ging es dann tatsächlich für mich zum ersten mal in die Westbank. Und zwar nach Bethlehem. Was ich als recht naiver und zugegebenermaßen uninformierten erwartete, waren ein paar christliche Heiligtümer und eine vielleicht auch noch reizvolle Berglandschaft. Was ich dann aber tatsächlich zu Gesicht bekam, hatte ich nicht erwartet. Unter anderem zählte eine im wortwörtlichsten Sinne reizende Begegnung mit Tränengas zu den Erfahrungen des Tages, die ich - neben vielen anderen - mitnehmen durfte. Eine der unangenehmeren, wie man sagen muss. Die konkrete und und nicht glanzvolle Realität des Konflikts im Nahen Osten, der seit einem halben Jahrhundert besteht, bisweilen nur als glimmenden Glut, dann aber auch wieder als blutrot lodernde Flamme, die unzählige Opfer forderte und nur schwer - und völlig schon gar nicht - zu löschen ist.

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